VW überholt BMW, Casteu stürzt schwer
Carlos Sainz hat nach seinem zweiten Platz hinter Mark Miller auf der fünften Etappe von Copiapo nach Antofagasta die Gesamtführung bei der Dakar übernommen. Der Spanier profitierte dabei vom Pech des bisherigen Spitzenreiters Stephane Peterhansel, der nach zwei Pannen weit zurückfiel.
Nach 05:06:16 Stunden und 483 Kilometern Spezialprüfung fuhr Mark Miller als erster Autopilot über die Ziellinie und hatte damit einen Vorsprung von 2:10 Minuten auf seinen VW-Teamkollegen Carlos Sainz. Nasser Al-Attiyah machte den VW-Triumph mit Platz drei komplett.
Freude und Lob im VW-Lager
"Das war ein langer und sehr, sehr guter Tag für Volkswagen", freute sich VW-Motorsport-Direktor Kris Nissen. "Alle Fahrer und Beifahrer haben super gearbeitet. Wir müssen trotz der Erfolge in Tages- und Zwischenwertung ruhig und konzentriert bleiben, denn es gilt, zunächst einmal die Dakar selbst zu bezwingen. Noch liegen über 3.000 Kilometer in hartem Gelände vor uns."
Carlos Sainz erklärte nach der schwierigen Etappe: "Ein extrem harter und langer Tag, an dem eigentlich kaum etwas schief ging. Der Race Touareg lief wie ein Uhrwerk. Doch leider haben wir uns etwa 100 Kilometer vor dem Ziel den rechten Hinterreifen auf einem Stein beschädigt. Das konnte heute sehr leicht passieren. Mit Tagesplatz zwei haben wir jetzt die Führung übernommen. Deswegen bin ich überaus zufrieden. Ich freue mich für meinen Teamkollegen Mark Miller, dass er die Etappe gewonnen hat."
Etappen-Sieger Mark Miller: "Mein erster Etappensieg bei der Dakar! Der Tag heute kam mir ein bisschen vor wie in dem Film 'Tage des Donners' - ich fühlte mich nicht besonders schnell, doch die anderen waren langsamer. Heute kam es darauf an, sich keine Reifenschäden einzuhandeln. Das haben wir geschafft. Darüber hinaus hat mein Copilot Ralph Pitchford einen erstklassigen Job bei der Navigation gemacht. Doch heute sahen wir nur eine Momentaufnahme. Es liegt noch viel Arbeit vor uns."
Viel Pech für X-Raid-Team
Stephane Peterhansel, der vor der Etappe mit einem komfortablen Vorsprung an den Start gegangenen war, führte bis Kilometer 135,5 das Feld an. Ein Mechanikproblem ließ dann allerdings alle Siegesträume platzen. Knapp eine Stunde verlor der Franzose bei diesem unfreiwilligen Zwischenstopp. Weitere 25 Minuten verlor der Dakar-Sieger von 2007 dann bei Kilometer 215 - insgesamt büßte der Franzose im BMW X3 mehr als eine Stunde ein.
Das private X-Raid-Team des BMW-Erben Sven Quandt ist damit in seiner Rolle als Herausforderer abgeschlagen. "Das ist natürlich absolut enttäuschend für das gesamte Team", meinte Quandt zur Pechsträhne. "Stéphane ist großartig unterwegs gewesen und dann kommt dieses mechanische Problem dazwischen. Das war die neue Antriebswelle. Wir haben sie gestern Nacht erst eingebaut. Nach 120 Kilometern hat sie ihren Geist aufgegeben. Diese Etappe war für den Zweirradantrieb extrem schwer zu bewältigen. Ohne allzu großen Rückstand ins Ziel zu kommen ist da schon eine Leistung für sich."
Zu Beginn hatte bereits ein defekter Sensor den Franzosen Guerlain Chicherit, Gewinner des Marathon-Weltcups 2009, für mehr als 50 Minuten außer Gefecht gesetzt. Mit einem Rückstand von 1:27:41 Stunden ist er inzwischen auf dem sechsten Platz der beste X-Raid-Pilot. Nach dem Auftaktsieg zerstörte der Spanier Juan Roma zudem beim Sturz in eine Schlucht seinen BMW X3 so stark, dass er aufgeben musste.
Despres verteidigt Führung, Casteu stürzt schwer
Der französische KTM-Pilot Cyril Despres hat auf der ersten echten Wüsten-Prüfung seine Motorrad-Führung verteidigt. Der Chilene Francisco Lopez Contardo (Aprilia) erzielte auf der fünften Entscheidung einen Heimsieg und rückte vom siebten auf zweiten Platz (37:37 Minuten zurück) vor. Yamaha-Pilot Helder Rodriguez aus Portugal blieb mit einem Rückstand von 44:01 Minuten Dritter.
Der spanische Vorjahressieger Marc Coma hat wegen eines Reifenschadens großen Rückstand zum führenden Despres. Der zu Beginn führende Franzose David Casteu ist auf üble Weise ausgeschieden. Bei einem schweren Sturz von seiner Sherco zog er sich einen offenen Beinbruch zu. Der Muskel hatte sich vom Knochen getrennt, Casteu drohte sogar zu verbluten. Er war nicht mehr in der Lage, den Notfallknopf an seinem Motorrad zu drücken. Casteus Landsmann David Fretigne rief den Rettungshubschrauber und blieb bei dem Schwerverletzten, bis Casteu versorgt war. Trotzdem wurde Fretigne noch Etappen-Dritter.
Kabirov und Chagin im Alleingang
Titelverteidiger Firdaus Kabirov (Kamaz) feierte seinen ersten Dakar-Etappensieg 2010 und bereits den 30. seiner Karriere bei der Rallye Dakar. Mit 5:48:50 Stunden fuhr Kabirov als erster ins Etappenziel ein. 19 Minuten dahinter lag sein Landsmann und Teamgefährte Vladimir Chagin (Kamaz). Der Fransose Joseph Adua belegt mit einer Zeit von +00:37:48 auf Iveco den dritten Platz. Chagin konnte aber weiter seinen Vorsprung in der Gesamtwertung behauptet: Er liegt knapp 26 Minuten vor Kabirov und unglaubliche drei Stunden und sieben Minuten vor dem drittplazierten Niederländer Marcel Van Vliet (Ginaf).
Volkswagen peilt "Dakar"-Sieg an
Das größte Abenteuer, das der Motorsport zu bieten hat die höchste Herausforderung, der sich ein Hersteller stellen kann: Volkswagen startet in die Rallye Dakar 2010 mit dem großen Ziel, die begehrte Sieger-Trophäe erneut nach Wolfsburg zu holen.
Nach dem historischen Sieg im Januar 2009 mit dem Race Touareg 2, dem ersten eines Diesel-Automobils in der Geschichte der Rallye, stellt sich der deutsche Automobilhersteller erneut den Herausforderungen auf härtestem Terrain, unerbittlichem Klima und starker Konkurrenz.
Fünf der 300 PS starken "Dakar"-Prototypen bringt Volkswagen bei der 32. Auflage des Wüstenklassikers, der zweiten durch Argentinien und Chile, an den Start. Wenn Carlos Sainz, Giniel de Villiers und Co vor großer Fankulisse am 01. Januar 2010 in Buenos Aires über die Startrampe rollen, finden sie sich in einer neuen Rolle wieder. Bis zur Zielankunft 15 Tage später an gleicher Stelle sind sie erstmals die Gejagten.
"Der Dakar-Doppelsieg 2009 war die Erfüllung eines großen Traums für Volkswagen. Doch das ist bereits Geschichte. Jetzt haben wir ein neues Ziel, auf das wir uns noch akribischer vorbereitet haben als je zuvor: Dakar-Sieg Nummer zwei", so Volkswagen Motorsport-Direktor Kris Nissen. "Wir haben den ohnehin schon zuverlässigen Race Touareg noch standfester gemacht und seine Leistungsfähigkeit dabei weiter erhöht. Wir treffen in Argentinien und Chile auf nicht weniger als die härteste Rallye Dakar aller Zeiten. Doch wir können behaupten, dass wir perfekt darauf vorbereitet sind."
Weiterentwicklung eines Siegerpakets
"In den Race Touareg einzusteigen, ist für uns, als ob wir wieder zurück nach Hause kommen", so Volkswagen Werkspilot Giniel de Villiers, der zusammen mit seinem norddeutschen Beifahrer Dirk von Zitzewitz als Titelverteidiger an den Start geht. "Wir wissen das wohl stärkste und zuverlässigste Offroad-Fahrzeug an unserer Seite. Gerade, weil es für die kommende Dakar noch weiter verbessert wurde, fühlen wir uns im Cockpit zu 100 Prozent wohl." Der Südafrikaner profitiert dabei wie seine Teamkollegen von einer überarbeiteten Turboaufladung und einer verbesserten Ladeluftkühlung. Die Volkswagen Ingenieure steigerten die Leistungsausbeute des 2,5-Liter-TDI-Triebwerks auf 300 PS. Auch in den Bereichen Bremsenkühlung sowie bei der Standfestigkeit im Getriebebereich verbesserten die Techniker den Race Touareg.
Bei der Rallye Dakar 2010 kommt zudem ein neuer Reifentyp zum Einsatz, den Volkswagen in Zusammenarbeit mit Partner BFGoodrich entwickelte. Der Basisreifen "All Terrain" zeichnet sich durch ein besseres Haftungsniveau auf losem Schotter und durch eine bessere Haltbarkeit aus. Dieser Reifentyp wird auch von Konkurrenzmannschaften, beispielsweise dem X-raid-BMW-Team, eingesetzt.
Ein starkes Quintett
Der Fahrerkader von Volkswagen für die Rallye Dakar eint angesichts zahlreicher Titel unterschiedlicher Kategorien sportliche Größen aus Marathon- und klassischem Rallyesport. Mit den fünf werksseitig eingesetzten und vorbereiteten Race Touareg gehen Giniel de Villiers/Dirk von Zitzewitz (ZA/D), Carlos Sainz/Lucas Cruz (E/E), Mark Miller/Ralph Pitchford (USA/ZA), Nasser Al-Attiyah/Timo Gottschalk (Q/D) sowie Maurício Neves/Clécio Maestrelli (BR/BR) an den Start. "Volkswagen verfügt über eine starke Mannschaft", ist Carlos Sainz überzeugt, der im vergangenen Jahr die "Dakar" acht Tage lang anführte und sechs von 13 möglichen Tageserfolgen feierte. "Jeder von ihnen ist ein Kandidat für den Gesamtsieg. Die Taktik entscheidet. Deshalb ist es wichtig, die Geduld zu bewahren. Bei der Rallye Dakar kann jederzeit Unerwartetes passieren. Deshalb zählt neben kalkuliertem Risiko auch das Quäntchen Glück."
Die härteste Konkurrenz aus dem Volkswagen Lager erwartet Sainz sowie sein Copilot und Landsmann Lucas Cruz von den "Dakar"-Doppelsiegern einerseits sowie von Team-Neuzugängen andererseits. Giniel de Villiers und Dirk von Zitzewitz gewannen 2009 den Wüstenklassiker, insgesamt acht Podiumsresultate, davon fünf Siege, gingen bei zwölf Starts für Volkswagen auf ihr Konto. Auch die "Dakar"-Zweiten des Jahres 2009, Mark Miller und Ralph Pitchford, sind ausgewiesene Offroad-Experten und echte Allrounder. Die Neuzugänge, der Rallye-erfahrene Nasser Al-Attiyah aus Katar, der mit dem Deutschen Beifahrer Timo Gottschalk startet, sowie das brasilianische Duo Maurício Neves und Clécio Maestrelli verstärken als vierte und fünfte Paarung das Volkswagen Werksteam.
Mehr Wüste, mehr Hitze, mehr Herausforderung
Die Routenführung der legendären Wüstenrallye verspricht die härteste "Dakar" aller Zeiten: Zwei Andenüberquerungen mit Höhen bis zu 4.726 Metern über Normalnull, schnelle Schotterabschnitte in der berüchtigten Pampa sowie extreme Beanspruchung von Mensch und Material auf vier Etappen durch die erbarmungslose Atacama-Wüste sind die Schlagworte der 32. Auflage des Offroad-Klassikers. "Die Rallye Dakar in Südamerika ist etwas ganz Besonderes", so Volkswagen Werkspilot Mark Miller. "Anders als in den Jahren in Afrika ist jeden Tag von jedem Typus Terrain etwas dabei. Schotter, Sand, Trial-artige Passagen das fordert Allrounder-Qualitäten und bevorteilt keinen bestimmten Fahrertyp. Ich denke, dass genau hier meine Stärken liegen."
Fit für zwei Wochen Wüsten-Tortur
Täglich bis zu acht Stunden im Cockpit, extreme Hitze, dazu extreme körperliche Anstrengungen die Rallye Dakar bringt Fahrer und Beifahrer stets an ihre physischen Grenzen. "Die optimale Fitness ist ein entscheidender Faktor bei der Rallye Dakar", so Volkswagen Werkspilot Nasser Al-Attiyah. "Nur, wer auch unter extremsten Bedingungen permanent die Konzentration wahrt, ist auch fähig, den Gesamtsieg zu holen. Dank einer guten körperlichen Vorbereitung fühle ich mich so gut wie nie dafür gerüstet."
Mit intensiven Fitness-Programmen haben sich die Volkswagen Werksfahrer auf die "Dakar" 2010 vorbereitet. Mit einem gemeinsamen Training in der Höhe startete das individuelle Work-out jedes einzelnen Piloten und Copiloten. Im schweizerischen Arosa standen Kletter- und Mountainbike-Touren auf dem Programm, um mit dem folgenden, intensiven Programm die bestmögliche Fitness zu erreichen.
Komplexe Logistik des Volkswagen Teams
Ein entscheidender Faktor bei der Rallye Dakar ist die komplexe Logistik. 85 Teammitglieder und 23 Service-Fahrzeuge stellen sich während der insgesamt 14 Etappen und dem Ruhetag in den Dienst der fünf Werksduos in den Race Touareg. Die Mannschaft übernimmt während der gesamten Rallye den allabendlichen Service, um die "Dakar"-Prototypen jeden Morgen optimal vorbereitet in die nächste Wertungsprüfung zu schicken. Dabei haben die Volkswagen Teammitglieder täglich selbst einen eigenen Marathon zu absolvieren. Jeden Tag vom Ruhetag abgesehen wird das Biwak an einem anderen Ort errichtet. Für die Logistiker eine große Herausforderung. Denn die fünf je einem Race Touareg zugeordneten Service-Trucks sowie die weiteren Service-Fahrzeuge müssen jeweils vor den Race Touareg wieder eintreffen. "Für mich ist die Dakar die zweite Rallye mit dem Volkswagen Werksteam", so der Brasilianer Maurício Neves. "Es ist einfach unglaublich, wie professionell es arbeitet. Die Jungs leisten bei so einer Veranstaltung unglaubliches. Auch sie sind echte Dakar-Helden."
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